1. Teil Katharina Wolf

von Stipendiat

Überblick

Hallo Berlin! Hallo Technisches Museum! Hallo Stipendium!

 technikmuseum

Hier bin ich, motiviert viel auszuprobieren und neue Wege im Schmuck zu entdecken. Nachdem ich von Andrea sehr nett empfangen wurde kann es sofort losgehen.

Um einen Einstieg zu finden und weil ich noch nicht sicher weiß, worin ich mich vertiefen möchte, arbeite ich mich zu Beginn einmal quer durch die ganze Abteilung Manufakturelle Schmuckgestaltung. Von den Guillochiermaschinen geht es über den Zinnguss zu den Dessinwalzen und von dort weiter an die Spindelpressen, bis ich letztlich bei den Fallhämmern ankomme.

Weil ich das im Museum täglich gefragt werde, hier für alle die bisher noch nichts darüber gehört haben eine kurze Erklärung was Guillochieren ist: „Man versteht darunter eine spezielle Technik, bei der mit einem Stichel an einer Guillochiermaschine exakte, geometrische Muster in eine metallische Oberfläche geschnitten werden. Das Muster entsteht durch die Kombination von Zickzack-, Wellen- oder geraden Linien.“

Die strengen, akkuraten Linien liegen mir persönlich eher weniger. Deshalb will ich in meine Gestaltung mehr Natürlichkeit und Leichtigkeit einfließen lassen. Vielleicht auch als Gegenpol zum technischen Umfeld des Museums oder aus Sehnsucht nach dem Frühling – der mir in den ersten doch sehr grauen Wochen in Berlin fehlt – schneide ich an der Guillochiermaschine Blumenwiesen, Libellenschwärme, Schneeglöckchenfelder, Fische, Seerosen und Wälder ins Messingblech.

guillochieren

Die anschließenden Maschinen, die Dessinwalzen, sind neu für mich. Damit habe ich vorher noch nie gearbeitet. An ihnen lassen sich Muster, die sich auf der Walzrolle befindet ins Material eindrücken. Spannend finde ich es die Muster nicht wie üblich, in Draht oder schmale Blechstreifen einzuwalzen um so mit wenig Zeitaufwand Armreife herzustellen, sondern die Struktur auf ausgestanzten Metallblättchen zu übertragen. Die dabei entstehenden Fragmente der Muster finde ich interessant und durch das Walzen werden die Außenkonturen der Blechteile weiter verformt. Dabei ist es vom Zufall abhängig welchen Teil des Musters ich erwische und je nach Positionierung, wie die Verzerrung ausfällt. Ich versuche auch größere Flächen mit Mustern zu überziehen, indem ich die Bleche mehrmals hintereinander versetzt walze.

dessinwalzen-ovale dessinwalzen-bleche

Beim Prägen entdecke ich kleine, flache Gesenke. Ich weiß nicht genau wofür diese ursprünglich mal verwendet wurden, ich vermute für Ringe oder Manschettenknöpfe. Die ausgesägten Teile stelle ich zu kleine Faltern zusammen.

falter

Das Pressen kenne ich bisher schon am besten, da ich während des Pforzheim-Revisited-Projektes damit bereits gearbeitet habe. Auch jetzt suche ich mir wieder alte Ringformen aus und presse diese. Durch Zufall entdecke ich, dass durch einen schwach ausgeführten Hammerschlag die Form nicht völlig abgebildet wird und stattdessen gespannte Flächen entstehen. Diese Imperfektion lässt die eigentliche Ringform nur erahnen. Ich finde dieses Zwischenstadium besonders spannend, weil es wie eine Momentaufnahme ist, so als müsste sich der Ring noch entscheiden welche Form er einnehmen will.

rinfetisch ringe

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