Level 2: Tag 107 / / Franziska (N*14)

von Stipendiat

Wie bereits im letzten Blogpost umrissen, habe ich weiter an meinen Freundschafts- bzw. Familien- Anhängern gearbeitet. „Schmuck verbindet“ – wortwörtlich.

friendship necklace

Inspiriert ist die Idee von den zwei-teiligen Herz-Anhängern aus meiner Kindheit; zu finden als Beilage in der „Bravo“ beispielsweise. Meine Anhänger-Serie soll aber für 2 und mehrere Parteien funktionieren. Beliebig viele gestanzte Formen werden gemeinsam geprägt, sodass sie zusammen ein Bild ergeben, man die Anhänger aber einzeln verschenken kann und somit das gemeinsame Bild für jeden Träger zu einem Bruchstück und dadurch abstrahiert wird.

 

Nach einigen Experimenten mit den unseren vorhandenen Gesenken, wollte ich gerne eine eigene, abstraktere Form verwenden und habe mich, zusammen mit Werner, an den Eigenbau derselben gewagt. Eine in Messing gegossene Muschel sollte es werden. Den Guss haben wir erst einmal mit Zinn verstärkt und dann mithilfe der Refriktionsspindelpresse in einen Barren Zinn gepresst. Um der Presse die Arbeit zu erleichtern, haben wir aus dem Barren etwas Zinn herausgebohrt, sodass sich die Muschel gut hineindrücken konnte. Die ersten Ergebnisse waren sehr gut – klar war aber auch, dass diese Form nicht ewig halten wird. Zinn ist schließlich ein sehr weichens Metall.

 Express Gesenk + Pfaff – selbst bauen mit Werner Hiervon habe ich eine schöne Videodokumentation, die alles erklärt – nur leider nicht auf diese Seite hochgeladen werden kann. Wen es interessiert: hier lang! 

Nachdem ich einige Male geprägt habe, habe ich auch gemerkt, dass ein konkretes Motiv für meine Idee doch besser ist, da man sonst weniger diesen Puzzle- bzw. Zusammengehörigkeitseffekt hat.

Die Muschelprägung finde ich aber dennoch super – ich habe schon etwas im Bereich Schlüsselaufbewahrung experimentiert und habe noch vor eine Tasche aus vielen kleinen Muschelpailetten zu gestalten.

Für die Freundschaftsanhänger aber erst einmal zurück zu den vorhandenen Gesenken. Für unserern Kollegen aus der Restaurierung, Stefan (und Ehefrau), durfte ich einen Paar-Anhänger in Silber prägen. Diesen gab es als Überraschug zur Hochzeit von unserer Abteilung geschenkt.

 

Nun zu meinem eigentlichen Projekt, dem „Haupt“-Projekt des Stipendiats.

WEARABLES! (auf die unterstrichenen Wörter kann man klicken, dann kommt man zu einem externen Link, der das Wort erklärt!)

Bisher habe ich noch nicht so viel davon gezeigt und geteilt, da ich viel am Organisieren und Planen war. Es geht in Richtung intelligenter Schmuck; intelligent im Sinne von technisiert. Die Technik ist für mich metaphorisch für das 21. Jahrhundert zu sehen. Sie wird mit den manufakturellen Herstellungstechniken des 19. und 20, Jahrhunderts verbunden. Aber in welcher Form? Urpsprünglich dachte ich an Halsschmuck. Doch nun hst es mir das Fabergé Ei angetan. Die Begeisterung der Museumsbesuchern sprang auf mich über! Auch nach weiterer Recherche bin ich Feuer und Flamme von diesen zugegebenermaßen sinnlosen, aber wunderschönen Kunst- und Sammlergegenständen. In diesen stecken eine gute Bandbreite an Techniken der Schmuckmanufaktur: Emaillieren, Guillochieren, Metall drücken, Edelsteine fassen, Prägen, Stanzen, und der Dinge mehr. Perfekte Inspirationsgrundlage für meine Arbeit an objekthaften „wearables“.

Was können meine manufactured wearables?

Sie sollen den Weg zum nächst nähesten Träger der anderen Teile aufzeigen. Eventuell über eine App am Handy oder über eine smartwatch am Handgelenk. Hat man alle Objekte zusammengetragen, öffnet sich bei jedem ein Relais und man kann dieselben  öffnen. Bei den traditionellen Fabergé Eiern kommt z.B. ein prunkvolles Gimmick zum Vorschein (ein goldenes Ei oder eine edelsteinbesetzte Kutsche). Bei meinen wearables ist es das Technikherz des tragbaren Computers.

Alle Objekte sind übrigens induktiv ladbar – das heißt kabellos und stehen auf noch zu konstruierenden Flächen.

Das Projekt wird interdisziplinär und viele verschiedene Parteien arbeiten mit mir zusammen daran.

Die Technikseite wird beispielsweise von Jan Thar unterstützt. Er leitet das FabLab Aachen und ist Mitarbeiter im BMBF-Projekt Personal Photonics.

Ende nächster Woche ist ein erstes gemeinsames Treffen angedacht um sich nach all den eMails einmal persönlich kennen zu lernen und um erste Technikmodule zu begutachten. Dann kommen noch ein Metalldrücker dazu und auch eine Firma aus England wird speziellen Kunststoff, aus recycelten Joghurtbechern, bereitstellen.

smile plastic

Mein Part wird dann die Gestaltung der Hüllen inklusive Ladestation werden – daran arbeite  ich gerade. Gerne würde ich mit alternativen/ unüblichen Materialien arbeiten; z.B. diese recycelte Kunststoffplatten von smile plastics, Marmor, veganes Leder, usw. Und auf die, die manufakturellen Techniken anwenden. Ich sammle noch Ideen. Die Kunststoffplatten möchte ich in jedem Fall von dem Metalldrücker verformen lassen – keine Ahnung ob das funktioniert, aber beiden Parteien finden das Experiment spannend. Das wird Mitte September passieren.

Die kooperierende Metalldrückerei Bräuer liegt bei Wittenau und beherbergt hunderte Druckformen – ein Familienbetrieb seit 1907 und sehr spannend zum Besichtigen.

Ich melde mich wieder Ende September, mit hoffentlich ersten Ergebnissen vom Kunststoff drücken und fünf kleinen wearables-Prototypen.

 

Bis dahin,

viele Grüße!