Stipendium im Museum

Stipendium in der Abteilung für Manufakturelle Schmuckgestaltung des Deutschen Technikmuseums Berlin

Logbucheintrag 26/11

Der amerikanische Künstler Adam Green schreibt in seinem Guide to Becoming an Artist unter Punkt 4. :

Let your emotions guide the medium. If you are a songwriter, let your emotions guide the melody into words. If you are a visual artist, let your feelings enter into the lines and colours.

Beim Arbeiten in der Werkstatt, vor allem an der Guillochiermaschine, frage ich mich immer wieder wie viel von meiner ganz eigenen Melodie am Ende in diesen strengen Muster liegt. Wie bringe ich Gefühl und Emotion in die historischen, fast schon puristischen Arbeitsweisen und schweren, für Akkordarbeit ausgelegten Maschinen?  

Lines

Das Guillochieren ist eine Art der Oberflächenveredelung, die bereits vor mehr als 300 Jahren entwickelt wurde. Die Guilloche überzieht hierbei die Oberfläche eines Metalls mit einem regelmäßigen Netz aus feinen Schnittlinien, die gerade oder geschwungen sein können. Diese hochglänzenden Linienmuster verleihen dem Werkstück eine schillernd leuchtende Erscheinung. Selbst die kunstvollsten Guillochen können auf eine Zickzack-, Faden- oder Wellenlinie zurückgeführt werden. Mich fasziniert die Vielfalt an Ornamenten, die diese ‘einfachen’ Linien hervorbringen können. Außerdem gefällt mir die ruhige und konzentrierte Arbeitsweise, die immer wieder gleichen Handbewegungen und die Geräusche der Maschine etwa beim Transport, dem versetzen des Stichels. Unzählige Linien bespielen die Oberfläche des Werkstückes, jede einzeln ausgeführt. Für mich steht fest, dass ich dass ich größtenteils Tombak und Silber guillochieren werde, schließlich möchte ich die feinen Muster später mit einer Emailleschicht veredeln. Inspirationen habe ich mir im Nachlass von Walter Zaiß geholt, einer Guillochierlegende aus Pforzheim. Walter Zaiß hat im hohen Alter nach Jahren der Akkordarbeit sehr viele wunderbar ‚andere’ Guillochmuster entworfen und umgesetzt. 

Am besten gefallen mir die übereinander liegenden Muster, bei denen schwer zu rekonstruieren ist wie genau sie hergestellt wurden, da man kaum noch einzelne Linien erkennen kann. Sie wirken fast psychedelisch, was zur tranceartigen Arbeitsweise des Guillochierens passt. 

Was mich außerdem bei vielen Guillochen fasziniert ist die Lichtbrechung, die das Muster nur kurz aufblitzen lässt. Ein kurzer Lichtschimmer, der nicht greifbar wie eine Art Heiligenschein über der Metalloberfläche schwebt.

Logbucheintrag 21/11

Abfahrt: Ulm 13:12 Gleis 2
Ankunft: Berlin 19:29 Gleis 7

Hallo Berlin, Hallo Museum, Hallo Du!

Ich bin Anna. Und mittlerweile wohne ich schon eine ganze Weile im Museum. Ich hatte also Zeit mich in ein paar Techniken der manufakturellen Schmuckherstellunghineinzufuchsen, mir Wege und Gesichter einzuprägen (das Technik Museum ist tatsächlich so riesig wie es meine Vorgänger schon beschrieben haben) und verschiedene Abteilungen des Museums kennenzulernen, meine Erkundungsexpedition ist aber noch lange nicht vorbei.

Die Werkstatt für Manufakturelle Schmuckproduktion – mein eigentliches neues Zuhause – war mir schon zu Beginn des Stipendiums ein wenig vertrauter, da ich während meines Bachelorstudiums in Pforzheim im Rahmen des PFrevisited Projekts bereits die Gelegenheit hatte Werkstatt und Techniken kennenzulernen. Die Zeit im Technikmuseum habe ich schon damals sehr genossen, nicht zuletzt durch die unermüdliche Unterstützung und den ansteckenden Enthusiasmus der erfahrenen Spezialisten, die damals mein Interesse an den alten Techniken weckten. Die historischen Arbeitsgeräte, die im Technischen Museum bis heute ihre Dienste leisten bringen nicht nur das Know How von Generationen zusammen, sondern sorgen auch für das Bewahren, die Weitergabe und im besten Falle für eine Weiterentwicklung oder zeitgemäße Neuinterpretation eben dieser Techniken. 

Ich bin super froh und auch dankbar, dass ich die Gelegenheit habe mich für ein paar Monate voll und ganz auf die Maschinen und Arbeitsweisen einzulassen und in diesem inspirierenden Umfeld arbeiten zu dürfen. In meinem Fokus stehen die Techniken des Emaillierens und des Guillochierens; es gilt deren Kombinationsmöglichkeiten zu erforschen. Ich bin fasziniert von Eleganz und Anmut dieser Techniken und deren Geschichte. Außerdem stimmen mich die geduldigen und präzisen Arbeitsschritte zufrieden, vor allem das Guillochieren fühlt sich oft fast meditativ an, fast so, als spreche die Maschine ein Mantra…