Logbucheintrag 03/02

von Stipendiat

Wer hat an der Uhr gedreht?

Einen Jahreswechsel später melde ich mich zurück aus Zimmer 508. Der Dezember verging wie im Flug – vermutlich bedingt durch die weihnachtliche Vorfreude, eine verzaubernde Weihnachtsfeier im Museum und einen Kurzurlaub zuhause im Süden. Ich habe eine kleine Exkursion in die Kofferproduktion unternommen und zusammen mit der lieben Johanna einen Koffer gemacht. Meinen ganz eigenen Reisekoffer, der mir ein ganz besonderes Andenken an meine Zeit im Museum sein wird! Außerdem habe ich Ende des Jahres ein paar museale Seitensprünge unternommen. Ich habe mich im Spektrum inspirieren lassen, habe Halt gemacht im Hamburger Bahnhof, einen Spaziergang durch den Garten der irdischen Freuden im Gropius Bau ums Eck unternommen, im Futurium einen Blick in die Zukunft geworfen, Helmut Newtons Fotoimperium beäugt, im Museum Europäischer Kulturen über Dinge des Lebens erfahren und mich im Kunstgewerbemuseum von afrikanischem Design inspirieren lassen. Die Mixtur aus Geschichte, Architektur, Kunst und Wissenschaft, diese besondere Atmosphäre die mit den Museumsbesuchen einhergeht inspiriert ungemein.

Aber nun zu den Hauptakteuren dieses Blogs – den Bewohnern der Heiligen Hallen der Manufakturellen Schmuckproduktion!

Emaillierte Guilloche – Guillochiertes Emaille

Die Kombinationsmöglichkeiten des Guillochierens und Emaillierens gallt es also für mich zu untersuchen. Linie und Farbe. Nachdem ich ein paar Versuche unternommen hatte guillochierte Tombakbleche zu emaillieren wollte ich nun den Spieß umdrehen und versuchen bunt emaillierte Bleche zu guillochieren. Schnell war klar, dass der Stichel der Guillochiermaschine auf der harten Glasoberfläche des Emails kaum Spuren hinterlassen würde. Ein Diamantfräser sollte also den Stahlstichel ersetzen, doch musste dieser, um im vollen Ausmaß genutzt werden zu können mitsamt Handstück und Mikromotor in die Guillochiermaschine integriert werden. Die Konstruktion sieht abenteuerlich aus, erfüllt ihren Zweck jedoch einwandfrei. Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten die Linien gleichmäßig in das Emaille zu fräsen. Die zusätzliche Beinarbeit erforderte etwas mehr Konzentration, aber mit der Zeit klappte auch das. 

Ich sitze also an der Guillochiermaschine und setzte Linie um Linie. Es ist ein Zusammenspiel der Linien und Farben, aber auch ein Zusammenspiel meiner Idee, meiner Intuition und der Umsetzung durch die Maschine. Wie viel gibt die Maschine vor, was steuere ich und wie kann ich auch etwas dem Zufall überlassen? Die Kombination beider Techniken (Emaille und Guilloche) vereint nicht nur Linie und Farbe, sie verbindet die penible Stringenz der Guilloche mit der Impulsivität des Emailles. Vorhersehbar und genauestens steuerbar auf der einen, und doch ungeheuer aufregend und etwas unberechenbar auf der anderen Seite.

Räucheremaille

Um den „Überraschungseffekt“ des Emailles noch ein wenig zu verstärken und um ihm eine persönliche Note zu verleihen machte ich einige Experimente mit heißen, frisch aus dem Ofen entnommenen emaillierten Blechen. Ähnlich wie bei der japanischen Keramikbrenntechnik Raku, „erstickte“ ich die heißen Teile mit Sägemehl, oder legte sie auf ein Bett von Laubblättern. 

Vom Plissieren und Pressen

Linien und Muster. Auch die exotische Plissierwalze mit ihren Mustervarianten und Kombinationsmöglichkeiten hat es mir angetan. Erstaunt war ich vom Ergebnis eines Pressversuchs mit plissiertem Metall. 

Außerdem: Guss, Maleremaille, Fensteremaille, . . .